Das urbane Umfeld im 21. Jahrhundert sollte nachhaltig und lebenswert sein. Um diesen Anspruch gerecht zu werden muss eine Stadt wie Hagen drängende infrastrukturelle, ökologische, soziale und ökonomische Probleme lösen. Wie kann dies trotz der komplexen und trägen Strukturen in unserer Gesellschaft gelingen?

Für den erfolgreichen Wandel müssen wir einen Prozess des Anpassens und Optimierens ins Laufen bringen. Ein wichtiger Baustein hierfür sind das Verinnerlichen von neuen Denkweisen und der Einsatz von innovativen Technologien, die vom Megatrend der Digitalisierung hervorgebracht wurden.

Neue Denkweisen zu etablieren und die Digitalisierung in Hagen voranzutreiben ist das Interesse einer Gruppe von Bürgern, die sich im Rahmen des digitalen Hatopia Kongress 2020 zusammengefunden haben. Als Start unserer ehrenamtlichen Initativtätigkeiten ist dieser offene Brief, adressiert an den Oberbürgermeister, die Stadtverwaltung – insbesondere die Task Force Digitalisierung und der Fachbereich IT – sowie die Hagener Bürger, zu verstehen. 

 

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
sehr geehrte Damen und Herren,

Wir sind eine Gruppe von jungen, engagierten und an Digitalisierung interessierten Hagener:innen, die sich in Folge des ersten digitalen Hatopia Kongresses am 25.04.2020 im Zuge des Workshops Digitalisierung zusammengefunden haben. Seit besagtem Workshop sind wir im regelmäßigen Austausch um eine „Community“ für den digitalen Fortschritt aufzubauen und gemeinsam für Hagen ehrenamtlich aktiv zu werden. Wir glauben, dass die Chancen der Digitalisierung der Schlüssel zum Lösen diverser Herausforderungen in Hagen und anderswo sein kann.

Seit dem Jahr 2017 steht fest, dass durch die Hagener Stadtverwaltung eine Digitalisierungsstrategie erarbeitet werden soll. Mittlerweile gibt es auch eine Task Force Digitalisierung in Hagen. Zu einem Zeitpunkt war zu vernehmen, dass die Strategie 2019 schon fertig erarbeitet sein sollte. Doch bisher ist nur wenig über den Stand der Erarbeitung der Digitalisierungsstrategie in der Öffentlichkeit bekannt. Wir begrüßen die Initiativen der Stadtverwaltung in diesem Bereich und möchten uns an dieser Stelle nach dem Status der Erarbeitung der Digitalisierungsstrategie für Hagen erkundigen.

Darüber hinaus möchten wir unsere Absicht bekunden uns als Bürger der Stadt Hagen an diesem Prozess zu beteiligen. Wir haben großes Interesse an Mitwirkungs- oder Beteiligungsmöglichkeiten und wünschen uns, dass die Zivilgesellschaft an der Digitalisierung des öffentlichen Raumes partizipieren kann. Das soetwas möglich ist zeigt das Beispiel der Stadt Ulm. Hier wird ein neuer und sehr interessanter Weg bei der Erarbeitung einer Smart City Strategie eingeschlagen. Denkbar wäre eine ähnliche Herangehensweise in Hagen. Zu diesem Thema möchten wir gerne mit der Stadtverwaltung und der Task Force Digitalisierung in Dialog treten.

 

Wir sind für eine menschenorientierte und partizipative “Open City” statt einer “Smart City” mit einer rein technologiegetriebenen Problemorientierung. Folgende Punkte und Ziele sind uns dabei wichtig.

Der technologische Fortschritt verändert die Art und Weise wie Arbeit und Kapital in der Wirtschaft eingesetzt wird. Er wird großen Einfluss auf die Einkommensverteilung und Chancengleichheit in unserer Gesellschaft haben. Ob dieser Einfluss positiv oder negativ ausfallen wird  ergibt sich durch Entscheidungen des Staates, der Bürger und der Kommunen. Wichtig ist folgendes: Der Mensch muss im Fokus stehen. Fortschritt und Entwicklungen müssen inklusiv sein. In diesem Sinne sollte die technische Infrastruktur als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge betrachtet werden.

Wir sind der Meinung, dass die Digitalisierungsmaßnahmen in Hagen ausschließlich, bzw. wenigstens weitestgehend, auf die Verwendung von offenen Standards, Freie und Open Source Software setzen sollte. Die uneingeschränkte Anpassbarkeit, Datensouveränität und die Stärkung des Gemeinutzens durch kollaborative Weiterentwicklung sind nur einige nennenswerte Vorteile, die eine Kommune beim Einsatz von Open Source Software bekommt. Außerdem sind wir der Meinung, dass Software, die durch Steuergelder finanziert wird, für Bürger selbstverständlich und uneingeschränkt verfügbar sein sollte – eine Auffassung, die von der Initiative Public Money Public Code ausführlich elaboriert wird.

Außerdem möchten wir in diesem Brief auf die Pressemitteilung “Smarter Gewässerschutz: LoRa-Sensor wacht über Ökosystem im Ischelandteich” vom 24. August eingehen. Zusammen mit ENERVIE soll ein gemeinsames LoRaWAN-Projekt realisiert werden. Vorab war bekannt, dass das Netz nur ENERVIE vorbehalten bleibt. Im Rahmen der Veröffentlichung wird nun vom gesamten Konzern Stadt gesprochen, und davon, dass gewisse (Industrie-)Kunden ebenfalls das Netz nutzen können. Der Weg der hier beschrieben wird empfinden wir als ungenügend. Stattdessen wünschen wir uns ein offenes LoRaWAN-Netz für Hagen, damit ein freier und niedrigschwelliger Zugang zu derartiger Infrastruktur für die Zivilgesellschaft möglich ist und möglichst viel von unten getriebene Innovation stattfinden kann. Ähnliche Herangehensweisen haben sich bereits in Moers und Herne etabliert und werden von der erfolgreichen und innovativen Organisation The Things Network schon lange propagiert.

Desweiteren plädieren wir dafür, dass die Stadt Hagen ihre Datensätze offen legt. Das Stichwort hier lautet Open Data: Sachdaten der Verwaltung, z. B. aus den Bereichen Verkehr, oder Umwelt, sollten frei zugänglich und von jedem verwendet und verarbeitet werden dürfen. Dadurch verbessert sich das Vertrauen und die Zusammenarbeit in der Gesellschaft. Gleichzeitig profitieren alle – Verwaltung, Industrie und der Bürger. Hagen kann sich digitalisierungsfreundlich zeigen, indem die Stadt freie Sachdaten ohne Einschränkungen (wie z.B. vorheriger Registrierung oder Namensnennung) zu Verfügung stellt, kein Anspruch auf “Dateneigentum” erhebt und mit den Daten keine Gewinnerzielungsabsichten hegt. Beispielhaft lässt sich das Land NRW nennen, welches Geodaten uneingeschränkt zur Verfügung stellt und durch spezifische Datenaufbereitungen trotzdem Einnahmen erzielt. Aber Daten an und für sich aus Gewinnerzielungshoffnungen zurückzuhalten ist eine schlechte Idee, die man auf keiner Ebene angehen sollte.

 

Durch eine gute Zusammenarbeit der Hagener Stadtverwaltung und der Zivilgesellschaft im Bereich Digitalisierung ergeben sich viele Synergieeffekte bei anderen Zielen, beispielsweise im Rahmen des Masterplans Nachhaltige Mobilität und dem allgemeinen Ziel der Verkehrswende. Denkbar wäre z.B. die Umsetzung eines offenen Bikesharing-Systems durch Nutzung und Weiter-/Mitentwicklung des Projekts OpenBike aus Ulm.

Wir hoffen, dass dieser Brief bei den relevanten Personen und Parteien Gehör findet und dass ein stetiger Austausch mit der Stadtverwaltung entsteht. Desweiteren wünschen wir uns eine strukturierte und nachhaltige Förderung des digitalen Ehrenamts und anderen Projekten in Hagen durch z.B. die Einrichtung eines Treffpunktes/Makerspaces ähnlich wie in Moers bereits vorhanden. Mit den hier beschriebenen (Digitalisierungs-)Ansätzen können wir mit geringem Kostenaufwand großen Mehrwert für unsere Stadt schaffen. Wir freuen uns auf den Dialog.

 

Mit freundlichen Grüßen,

hatopia.

 

P.S. Dieser Blog-Beitrag ist gemeinsame Arbeit von Roman Krüger, Kevin Arutyunyan und Peter Weger.

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